Mein Statement zum Thema Body Modifikationen



Zuerst aber mein ModCode:

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Version: 0.03
MRI*(AI) pSF(S) tOL() EIT!>B a D--(---)@ d-()@ b:@ P+@ T>++@
s+@ S++ I->+ e->++ c+:-- R++ r x++(+++) o?
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Ihr könnt den Code entschlüsseln wenn ihr hier klickt und den Code dort einfügt


Wenn ihr euren eigenen ModCode wollt, klickt hier um euren Code zu erstellen


Wie kam ich zu Body Modifikationen (nachfolgend einfach nur "BM" genannt)?



In meiner Kindheit sah ich im Freibad oft tätowierte Menschen (wir hatten in Kitzingen sehr viele Amerikaner), und dies faszinierte mich schon immer irgendwie, selbst aber hatte ich zu BM weiterhin keinen grossen Bezug.

1991 sollte dies sich ändern. Ich fing an, Tattoomagazine zu lesen (der eine oder andere kennt sicher die Zeitschrift "TATTOO" noch). Ich sah mir die Bilder und Berichte zum Thema Tattoo und Piercing an und bekam den Wunsch, auch so etwas haben zu wollen. Ich lies mir dann Ohrringe stechen, 3 links und 5 rechts sowie ein Nostrilpiercing (Nasenseite) was in unserem Kaff bei Männern damals noch eine Seltenheit war (Ich liebe exotische Sachen *fg*).

In der Ausbildung ebenfalls in der Zeit lernte ich einen Mitazubi kennen der, ich sag es mal so, recht gut tätowiert war. Ich freundete mich mit ihm an, wir kamen ins Gespräch und von ihm mit inspieriert begann ich mich selbst zu tätowieren. Es waren erst nur kleine Sachen auf dem linken Arm und so, nix weltbewegendes halt. Aber der Einstieg in die BM-Sucht war geglückt. Mitte der 90er folgte dann mein erstes eher schlechtes Knuckle-Tattoo auf den Fingern.
Dann tat sich eine ganze Zeitlang nichts mehr mit tätowieren. Bis ich 2002 die HP von BME, dem Ezine zum Thema BM im Internet fand. Und da war sie wieder, die Sucht (ja einmal dabei, immer dabei). Ich schaute mir viele Bilder und Berichte dort an, vor allem interessierten mich die Tattoos an sichtbaren Stellen wie Hand und Gesicht. Meine Gedanken als ich die Pics sah waren so in der Art "Wahnsinn" und "Geil" und "auch haben will". Die Gedanken kreisten darum, Pro's wie auch Contras wurden beleuchtet.Wie ist es mit einem Tat im Gesicht oder auf der Hand rumzulaufen, kann es Probleme in der Gesellschaft geben. Beruf etc.

Ich entschied mich zu warten, gut Ding will bekanntlich Weile haben. Und es war abgesehen vom auf der HP von BME rumlungern erstmal wieder Ruhe. Beruflich taten sich 2006 einschneidende Veränderungen auf. Ich war in einem BTZ für psychisch Behinderte (siehe auch Punkt Über mich auf dieser HP). Und der Abschlussbericht war nicht wirklich toll.

Ich unternahm noch einen letzten Anlauf für den ersten Arbeitsmarkt in der Fa. MIG (Modell Integrationsgesellschaft) in Würzburg. Ein Praktikum dort scheiterte, es hiess ich sei aufgrund meiner Problematiken im ersten Arbeitsmarkt nicht tauglich.
Das war für mich das finale Zeichen dass ich auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr viel, wenn nicht sogar nix zu erwarten habe. Und wenn der erste Arbeitsmarkt mich ohne Tattoos an sichtbaren Stellen nicht nimmt, dann kann ich eigentlich den alten Wunsch der immer noch existiert, aufnehmen. Und ich fing an mir ein Tattoo auf die rechte Hand zu machen. Es ist das Kanji für Freundschaft bzw. Freunde und soll mich an das erinnern, was im Leben wichtig ist, nämlich gute Freunde zu haben. Wie ihr beim Punkt "Poi" lesen konntet ist Poi und die Feuerkunst sowie alternatives und freies Leben für mich zu einer Lebensphilosophie geworden, so kam es zu meinem ersten Facial Tattoo, 3 Punkte zwischen den Augenbrauen (irgendwie Standard, ich weiss *fg*) und dem Schriftzug "Poi" über der linken Augenbraue. War schon ein seltsames Gefühl, auf einmal selbst ein Facial Tattoo zu haben. Wie gesagt, ich wollte das schon lange, nun bin ich am Punkt wo ich mir sage, egal was die Leute draussen denken die mich so sehen, es ist allein meine Entscheidung, also warum sollte ich versuchen, DEREN Leben weiter zu leben. Zeit MEIN Leben zu leben Ob die Entscheidung für die Zukunft nun gut oder schlecht ist, sei einfach mal dahingestellt, Tatsache ist, meine Zukunft (beruflich) war auch ohne sichtbare Tattoos mehr als beschissen, also who cares?Und wegen sozialer Akzeptanz, Leute die mich so akzeptieren mit allen meinen "Marotten" sind richtige Freunde, alle anderen die evtl. später mal meinen, einen großen Bogen um mich machen zu müssen, obwohl sie sich verräterisch mal "Freunde" nannten, sollen halt wegbleiben.

Vielleicht muss ich nun mit dem knüpfen von falschen Kontakten nicht mehr soviel Zeit verschwenden und kann diese voll und ganz auf richtige Freunde verwenden. Ja sogenannte gesellschaftliche Tabus zu brechen egal in welcher Hinsicht, kann auch ein hervorragender Filter sein. Ich tue mir aufgrund meiner psychischen Behinderung ohnehin manchmal schwer, zu unterscheiden wer es wirklich ernst mit mir meint und wer nur so tut als ob. Geht jetzt vllt. auch einfacher *fg*

Es wird auf jedenfall weitergehen, und wenn andere mich deswegen als Freak bezeichnen, well. Ich wünsche mir doch geradezu eine Welt voll Freaks (nicht nur auf BM bezogen). Die Welt bzw. die westliche Welt ist so grau und eintönig alles. Alle gleich, in vielen Firmen grosses Pinguintreffen (alle im Frack und mit Krawatte) möglichst einheitlich. Da erinnert man sich ja bald wieder an alte Zeiten da waren auch alle gleich uniformiert. Ich wünsche mir eine bunte Welt, eine Welt voll Emotionen und Wärme. Wo Menschen wegen Behinderungen, wegen ihrer Hautfarbe, wegen exotischen Tattoos, wegen < hier einfach deine Lieblingsmarotte einsetzen > oder wegen Kleinigkeiten wie z.B. Barfusslaufen etc. pp. nicht mehr angeschaut werden, wie wenn sie gerade vom Mars kommen. Wir sogenannten "anderen" sind keine Aliens, keine Spinner, keine so nach dem Motto "Geh kauf Dir nen Keks". Wir sind Menschen, liebenswerte Menschen, Menschen wie jeder andere auch. Aber wir sind Menschen, die aufgehört haben, das Leben anderer angepasster zu Leben, die überhaupt begonnen haben zu leben Denn wer nicht sein Leben lebt ist tot, denn er existiert nur als Nummer, als graue Maus unter vielen, existiert er dann eigentlich überhaupt noch? Eines von vielen Schafen auf dem Weg zur Schlachtbank. Ich glaub ich bin lieber so ein exotisches Tier, dass keiner essen will. Da leb ich länger. Ich wünsche mir das jeder anfangen kann, zu leben, ich weiss das hat jetzt weniger was mit BM zu tun (obwohl, irgendwie doch auch wieder), Menschen, hört auf, tot zu sein, fangt an, euer Innerstes Verlangen zu leben, auszuleben solange ihr dem Mitmenschen die selben Rechte nicht antastet. Fangt an zu leben, wenn ihr lebt, dann lebt die Welt Wenn ihr nicht lebt, dann ist auch die Welt tot. Und auf eine tote Welt hab ich keinen Bock!
Ich möchte wenn ich alt bin und mein Leben sich dem Ende neigt, in den Spiegel schauen und sagen können, ja mein Leben war bunt, in vielen Facetten, und vielleicht habe ich dann dem einen oder anderen, dem ich über den Weg lief, auch zum Nachdenken gebracht und sein Leben vielleicht auch bunt gemacht, nicht dass er sich tätowieren lassen soll, darum geht es hier mit "bunt" gerade mal nicht, eher im Sinne von, sich selbst (er)leben, aufhören nur das Lied anderer zu singen.
Selbst komponieren ist sowieso viel schöner

So das waren jetzt ein paar sehr intime Gedanken sowohl zum Thema BM, als auch etwas übergreifend ins gesellschaftspolitische. Aber um gesellschaftspolitische Themen soll es auf dieser Homepage ja auch gehen. Manche Themen sind so ineinander verzahnt dass diese an mehreren Stellen wieder auftauchen können.

Hier noch ein paar Texte von Mark Benecke, ein forensischer Kriminalbiologe, der sich eingehend mit BM befasst hat.
Ich habe Texte rausgesucht die vllt. helfen die Frage nach dem Warum zu verstehen, denn warum kommt jemand dazu, sich Narben zuzufügen, oder sich sonstwie zu verschönern. Diese Frage kann wohl auch nie allgemeingültig beantwortet werden. Jeder hat seinen eigenen Weg zu Body Modifications, im obigen Text habe ich versucht, den meinigen darzulegen. Klar ich verstehe 100%ig, dass sich der eine oder andere fragt (jetzt in meinem Fall), warum tätowiert der Kerl sich im Gesicht, kann das nicht auch einfach nur am Arm oder sonstwo sein etc. pp. Da ich eigentlich nie gross über BM gesprochen habe (BM ist etwas wo ich normal nicht unbedingt mit hausieren gehe) ist es für einige sicher etwas shocking, zugegeben. Aber so bin ich nunmal, und nun kann jeder sichtbar sehen, was in und mit mir vorgeht,

kein Versteckspiel mehr, 15 Jahre sind genug.



So und nun die Texte von Hr. Benecke, nachlesen könnt ihr sie im Original und komplett auf www.benecke.com



Was bedeutet das für die Person, die es macht?

Das ist ein echter Eingriff. Eine seelische Veränderung, die sich vollzogen hat oder gerade vollzieht, wird auf die Körperoberfläche gebracht. Man wählt also nicht den Weg der direkten Auseinandersetzung mit anderen, sondern kümmert sich erstmal um die eigene Haut, macht es an sich selber deutlich. Man setzt ein Zeichen und ist sich darüber im klaren, daß es, zumindest prinzipiell, für immer dableibt. Man hört zwar immer das Hauptargument der Warner im Tattoo-Studio, "wer weiß, ob dir das in zehn Jahren noch gefällt", aber das ist egal; wichtig ist die Symbolisierung der Veränderung des Zustandes, den man innerlich und gegenüber der Außenwelt hat. Und daß das an der Haut stattfindet, macht Sinn, denn sie ist die Grenze zu dem, worum es geht. Ich bin ja nicht alleine unglücklich oder glücklich, sondern mit anderen, oder ohne andere. Die Body Modification findet also symbolisch gesehen an genau der richtigen Stelle statt, nämlich der Schnittstelle zur Außenwelt.


Das heißt, ein innerer Zustand spiegelt sich auf der Oberfläche.

Ja, aber mehr noch: Man hat es im Griff. Nicht wie einen Gesichtsausdruck, den man nicht im Griff hat, sondern man kann selbst entscheiden, wie man das setzen möchte, was einem gefällt. Man kann also über das Symbol frei entscheiden. Es hat etwas damit zu tun, daß man Kontrolle über sich gewinnt, über den Körper, über die Seele, über die Situation. Und dadurch, daß man sich selbst aussucht, welches Symbol man wählt, ist das eine gute Möglichkeit, sich selbst Kraft zurückzugeben -- die Amerikaner sagen dazu 'empowerment'.


So das waren ein paar Auszüge aus dem Text von Mark Benecke. Ich fand gerade diese beiden Texte sehr gut und sehr treffend.
Auch wenn dieser Artikel noch nicht fertig ist und die anderen "Dinge" noch komplett Baustelle sind, wünsche ich euch

Viel Spaß weiterhin auf meiner Homepage und nachdenkliche Stunden

Mystic Fire